Ist Veganismus zu extrem?

Man kann nicht alle Fragen eindeutig mit richtig oder falsch beantworten, so ist unser kompliziertes Leben eben. Heutzutage ist es eine allgemeine Weisheit, die Antwort liegt irgendwo in der Mitte liegt. Klar, Extreme sind nie gut.

Wieso entscheiden sich dann manche Menschen dafür, vegan zu leben? Reicht es nicht vollkommen, nur noch wenig und gutes Fleisch zu essen und Milch mit Bio-Siegel zu kaufen?

An dieser Stelle ist es meiner Meinung nach wichtig, zu der Ausgangsmotivation zurückzukehren. Wieso wollen wir denn überhaupt weniger und “gute” Tierprodukte kaufen? Ich denke das liegt daran, dass wir Massentierhaltung und unnötiges Leiden eigentlich nicht unterstützen, aber unser Abendessen trotzdem mit gutem Gewissen genießen wollen. Dann zahlt man gerne 30 Cent mehr für die Bio-Milch. Oder geht zum nächsten Metzger, “damit man weiß, woher das Fleisch kommt”.

Aber jetzt mal ganz im Ernst: jedes Tierprodukt ist mit unnötiger Ausbeutung und Leid verbunden. Warum unnötig? Weil wir Tierprodukte nicht unbedingt brauchen, wir haben die Wahl etwas anderes zu essen, etc. Dabei muss man sich nicht um seine Gesundheit fürchten, denn unser Nährstoffbedarf kann auch ausschließlich mit Pflanzen gedeckt werden. (Für die Kritiker: hier gibts weitere Literatur zu veganer Ernährung.)

Wir haben also die Wahl. Und es ist keine Entscheidung zwischen uns und den Tieren, denn es besteht ja kein Interessenkonflikt. Wir können auch ohne Tierprodukte gesund und zufrieden leben.

Und deshalb müssen wir uns auch moralisch für unsere Entscheidungen rechtfertigen. Entweder schaden wir vorsätzlich einem anderen Lebewesen, oder eben nicht. Wer fair sei möchte lebt vegan.

Und wenn du immer noch findest, dass es extrem ist bewusst unnötiges Leid zu vermeiden, bin ich gerne extrem. Extrem fair und klar gegen jede Form von Gewalt.

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Warum wir (noch immer) Feminismus brauchen

“Brauchen wir heute überhaupt noch Feminismus? Wir haben doch schon längst alles erreicht! Frauen haben die gleichen Rechte wie Männer und sind in allen gesellschaftlichen Positionen zu finden, ja sogar unsere Kanzlerin ist weiblich!”

Bei solchen Aussagen muss ich mich manchmal zurückhalten. Ja, natürlich haben wir schon viel erreicht. Aber reicht das aus?

Ich werde vor allem traurig wenn ich an junge Mädchen denke, die erst noch lernen müssen, dass ihr Leben durch ihr Geschlecht eingeschränkt wird. Welche Schutzmechanismen sie sich aneignen werden (müssen).

Sich immer bereit zu halten, nachzugeben oder weg zu laufen. Auf dem Weg nach Hause die Schlüssel (angriffsbereit) in der einen Hand, während man vorgibt zu telefonieren. Die unangebrachten Sprüche und Angebote. Die eigene Fachkompetenz ständig hinterfragt zu bekommen. Die Erwartung, nett und hübsch und zurückhaltend zu sein, immer.

Ich könnte natürlich noch mehr aufzählen. Muss ich aber gar nicht. Ihr könnt auch eure Schwestern und Freundinnen und eigentlich auch jede entfernte Bekannte fragen, sie werden euch ähnliche Geschichten erzählen können. Das ist ja das traurige.

Deshalb: schreibt doch bitte den Feminismus noch nicht ab! Wir sind noch lange nicht am Ziel, solange wir nicht jeden mit dem gleichen Respekt behandeln.